In direkter und schnörkelloser Weise konfrontierte der engagierte Aktivist unter anderem den Berliner Oberbürgermeister Klaus Wowereit, die Bundestagsabgeordneten von CDU/CSU sowie SPD und die Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den unübersehbaren Mißständen in Deutschland. Verdeutlichte die soziale Schieflage, kritisierte eine Politik der Kapitalumschichtung zu Lasten der Schwächsten in der Gesellschaft.Behinderte Menschen und Kinder lagen ihm besonders am Herzen. Obgleich seiner schweren Herzerkrankung blieb der 47 Jährige stets am Ball, setzte sich unermüdlich für seinen schwerbehinderten Sohn ein und scheute keine Konfrontation mit den bürokratischen Hindernisse einer für den Bürger oft unverständlichen Paragraphen Denkweise wider der Menschenwürde. Sein Wirken hinterlässt eine sichtbare Spur im Internet wie auch bei den MitstreiterInnen im gesamten Bundesgebiet.
Für den international arbeitenden Freien Journalisten Andreas Klamm geht mit dem Kollegen Detlef Rochner ein wichtiger und guter Mann im Kampf gegen die staatliche und rechtliche Unterdrückung von Menschen in Not verloren.
In dem Freitod spiegelt sich der ungeheure Druck auf einen Menschen wieder, der in keiner Weise gegenüber den sozialen Widrigkeiten in unserem Gesellschaftssystem tatenlos blieb und überdies nicht zu einer zusätzlichen Pflegelast für seine Familie werden wollte.
Ein Mahnmal gegen Ignoranz und für ein solidarisches Miteinander
Auf der Internetseite der Familie Rochner www.haertefallfamilie.de gibt es ein Gästebuch zum Kondolieren
Nur wenige Menschen sind wirklich lebendig
und die, die es sind sterben nie.
Es zählt nicht, dass sie nicht mehr da sind.
Niemand den man wirklich liebt, ist jemals tot.
Ernest Hemmingway
Stimmen zum Tod von Detlef Rochner :
16.07.2008 Der Sozialticker
Nachruf: Zum 1. Todestag von Detlef Rochner
02.08.07 Michael Weitland im Berliner Kurier
Nachruf auf Detlef R. der sich wegen Hartz IV tötete
(Artikel wurde ins Text Archiv des Berliner Kuriers umgelagert)
URL Text-Archiv: Danke, dass ich ein Freund sein durfte
20.07.2007 Journalistin Edith Bartelmus-Scholich, Linkezeitung.de
Berliner Sozialaktivist nahm sich das Leben
20.07.2007 Journalisten Claudia Keikus, Sascha Langenbach
vom Berliner Kurier
Herzkrank und Hartz IV: Todessprung vom Balkon
(Artikel wurde ins Text Archiv des Berliner Kuriers umgelagert)
URL Text-Archiv: Herzkrank und Hartz IV – Textarchiv Berliner Kurier
19.07.2007 Birgit Kühr, Vorsitzende Bürgergemeinschaft gegen Sozialabbau e.V.
Rote Fahne News
Ein Mitstreiter gegen Hartz IV nahm sich am 16. Juli 2007 das Leben
17.07.2007 Dirk Grund, alg2-hartz4.de
Soziale Aktivisten trauern um Detlef Rochner alias Kampfrentner Detti
Aktualisiert 19. November 2011
archiv-foto: berlin-unzensiert.de
Text:

Sozialaktivist Detlef Rochner ist tot von Detlev Bischof steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz.

Wäre heute gestern hätte ich mehr Kraft zu schreiben. Wie versteht sich das? Gestern ging noch der Ton zu dem Kommentar von Uwe Görke. Ich tu mich schwer zu schreiben und glaube ich bräuchte ständige Wiederholungen. Diese Wiederholungen und das auf der Stelle treten hat bisher mein Leben bestimmt und das will ich ändern. Ich will das ändern! Meine Zeilen sind an alle meine Mitmenschen gerichtet, denen ich ebenso Kraft, Mut und Ausdauer für eine gute Sache machen will, für ein besseres Leben auf diesem Erdball. Angesprochen sind alle Menschen. Ich spreche hier jeden Einzelnen an, jeder ist ein Individium, jeder leistet Einmaliges. Wenn ihr euch bisher nicht getraut habt, traut euch jetzt. Lasst es nicht bei den Aktivisten bleiben die bereits bekannt sind, ich fühle mich angesprochen und dabei liebe Mitmenschen, es kommt nicht darauf an schön zu schreiben, egal wie ihr in eurem Wesen glaubt nicht perfekt zu sein. Es geht nicht um das Perfekt sein, es geht um eure Gedanken, um euer Wissen und um eure Liebe. Das ist vor allem das was ich töpelhafterweise als “Sache” bezeichne, weil mir dazu kein anderes Wort auf die Schnelle eingefallen ist. Ihr seht das ich auch kein ein Schreiberling bin, so tut es mir nach, egal wieviele Fehler ihr mit in den Kommentar bringt.
Zunächst noch einige Worte zu mir. Ich bin 62 Jahre alt, glücklich verheiratet, keine Kinder. Gerade schießen mir unendlich viele Gedanken durch den Kopf, wie soll ich weiterschreiben, was ist meine Botschaft. Ich fühlte mich gerade unterbrochen über meine eigene Schreibweise des glücklich verheiratet zu sein. Ein Satz erinnert mich an die Worte: auf dem Rücken der Pferde liegt das Glück. Jedenfalls trotz meiner ansich glücklichen Kindheit, habe ich tiefe Narben mit ins Leben genommen, in dem ich mir in meiner Kindheit etwas zuviel zu Herzen genommen habe und dieses Jahrzehnte um Jahrzehnte weiter getragen habe. Zu meiner Zeit gab es noch keine Anlaufstelle für sozial Benachteiligte, zu meiner Zeit gab es noch viel Prügel, wurden Linkshänder, wie ich auch einer bin, auf rechtes Schreiben mit Schlägen gedrillt. Bei dem Wort gedrillt fällt mir gleich die Bundeswehr ins Auge. Bei diesen Worten meine ich schon wieder einmal aufhören zu müssen, es ist zuviel was sich in den Jahren alles angesammelt hat, zuviel um dieses in wenigen Worten hier niederzuschreiben. Ich schreibe weiter weil ich euch Mut gemacht habe, wie kann ich da selber schlapp machen. Ich habe gute Freunde, sehr gute Freunde, die braucht man im Leben, die geben mir Kraft. Sie sind nicht immer realitätsbezogen da, sie geistern oft nur in meinem kopf herum, aber real sind sie schon da.
Wie wiedersprüchlich?!
Liebe Mitmenschen, liebe Freunde, ich spreche euch alle an. Bisher habe ich meine Worte nur an wenige Menschen gerichtet, ich sage es einfach frei heraus und das soll euch allen weiterhelfen es genauso weiterzugeben wie ich das hier tu. Wichtig ist vor allem das ihr euch Mitmenschen sucht. Wir haben in der heutigen Zeit viele, viele Anlaufstellen. Ich selber gehe zur AWO – zur Sonnenblume, ein soziales Netz. Ich bin beileibe kein ruhiger Mensch, aber ich habe bisher kaum mal ein Wort gesprochen, ich bin kaum mal aus mir richtig herausgekommen. Lebenlanges Lernen, ich bin dabei zu lernen. Ich bin gelernter Gärtner, ein schöner Beruf, immer an der Natur, immer Denken, immer Nachdenken, immer etwas bewegen, immer etwas verändern, immer warten. Dieses ist zweideutig gemeint. Ich habe bisher nicht aus mir herausgelebt, ich mache meine Arbeit und genieße die Ruhe und manchmal wird mir diese Ruhe einfach zuviel des Guten. Ich selber habe mich immer und das will ich an dieser Stelle noch einmal betonen, ich habe mich immer für intelligent gehalten, aber ich hatte nicht den Mut gehabt aus dem Schneckenhaus herauszukommen. Ich habe immer öfters hinterfragt, das was mir selber schon bekannt war, nämlich das ich intelligent bin, mußte ich immer und immer wieder von anderen hören. Vor nicht allzulanger Zeit habe ich mal geschrieben das ich das Gefühl habe bei mir würde alles wie in einem Film ablaufen. So ist das immer noch, zu jeder Sekunde die ich hier sitze und manchmal glaube ich das ich das wieder verliere, dieses Wissen. Denn ich trage in mir ein enormes Wissen. Mein Gärtnerberuf, war außer den vielen Therapiestätten und Gesprächen, ebenfalls eine Therapie und zwar denke ich eine ganz intensive. In den großen Therapiewerkstätten werden auch heute Gartenarbeiten mit einbezogen. Körperliche Arbeit, sowie die Natur mit allen Sinnen zu erfassen, ist Natur pur. Liebe Mitmenschen, liebe Freunde, tut es mir nach kann ich nur sagen und zwar mit allen Sinnen zu leben, mit allen Sinnen. Jeder Mensch hat 5 Sinne, Hören, Sehen, Schmecken, Riechen und Fühlen. Gerade fühle ich mich wieder in einem Freudentaumel, gerade hat mir jemand geholfen, ich wußte einen der Sinne nicht und da hat mir der Computer geholfen. Computer sind nicht nur eine “Geißel” der Menschheit, Computer sind auch eine Hilfe wenn man sich bewußt ist sie richtig einzusetzen. Ich hatte ADSH oder habe es immer noch, dass weiß ich nicht genau. Ich glaubte hochsensibel zu sein, ich glaubte anders zu sein als meine Mitmenschen, alles Unsinn, ich habe mir wahrscheinlich im vermeintlichem Wissen einiges zuviel aufgeladen, schließlichg bin nicht mehr als ein Gärtner, aber hochintelligent und so müßt ihr auch alle zu der Erkenntnis kommen das ihr alle Einmalig seit und wenn ihr euch noch so geschwächt fühlt von euren Süchten und Krankheiten, glaubt mir, Ihr seid Einmalig vor Jesus Christus unserem Gott. Irgendwie muß ich jetzt mein Schreiben verkürzen, ich weiß von mir selber das ich ins Endlose mich verlieren kann, aber nicht tiefer fallen als in Gottes Hand. Mir hat der Glaube geholfen das ich hier schreiben kann und ich wünsche mir das ihr das mir alle nachtut. Etliche Gebete, Bücher und Orte haben dazu beigetragen das ich zum Glauben fand, es ist das was mich am Leben hält. Ich bin sehr sentimental, aber ich darf so sein wie ich bin, jeder darf so sein wie er ist. Ich habe mir zuvor viele Notizen gemacht die hier eigentlich zur Sprache kommen sollten, ich werde sie in, wie in Steno schreiben, zum Verstehen in welch einer Welt wir leben und wie jeder sich in dieser Welt mit einbringen kann damit wir alle friedlich nebeneinander leben können. Mir kommt beim Lesen meiner Zeilen noch etwas in den Sinn und ich denke das das auch mal gesagt werden müßte. Gärtnern kann ansich jeder, irgendwie kommt mir mein Beruf so vor als wäre ich gar kein richtiger Gärtner, eher bin ich schon ein Meister meines Faches. Ha, ha, wie schrecklich das ich gerade an dieser Stelle so lachen muß, hat mir doch einst mein Therapeut Micha Domdey lange vorgehalten das ich ein Gärtnermeister wäre und ich wollte das nicht hören weil ich nicht meine Prüfung dazu gemacht habe. Vielleicht so denke ich muß die Menschheit oder die Gesellschaft oder die Politik mal völlig umdenken, dazu noch weitere Bemerkungen zu einem besserem Lebensstandard wie mit dem Castor der zur Zeit rollt. Zur Atompolitik stehe ich mit einem Nein dahinter weil wir inzwischen genügend, fortschrittliche Alternativen haben. diese werden jedoch immer wieder blockiert von den Interessen einiger Lobbyisten, um ihrer Habgier willen. Fortschritt ist schon gut solange wir nicht das Wichtigste im Leben dabei vergessen.